Bild: Marcela Antipán Olate
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In ihrer Residency befassen Bokeum Lee & Pyunghwa Lee sich mit den Orten, die sie „Zuhause“ nannten – und wieder verließen. Als Schwestern, in Korea geboren und nun in Deutschland lebend, beschreiben sie ihre Beziehung zu Wohnstätten mit diesen Worten: „[So] haben wir eine Vielzahl von Wohnungen, Räumen und Zwischenorten durchlebt. Manche blieben uns in Erinnerung, andere verschwinden langsam oder sind bereits ausgelöscht – nicht nur physisch, sondern auch sprachlich und innerlich.
Was bedeutet es, viele Zuhause zu haben – und gleichzeitig keins? Wie lässt sich diese Erfahrung künstlerisch rekapitulieren, ohne sie zu romantisieren oder zu vereinfachen? Wir verstehen diese Arbeit als queere Erinnerungspraxis, die sich dem linearen Erzählen widersetzt. Wir arbeiten mit Fragmenten, Überschneidungen und Lücken – nicht um ‚Zuhause’ wiederzufinden, sondern um es neu zu konstruieren: in Stimmen, Bildern und Gegenüberstellungen.
Bild: Bokeum Lee
Die Rekapitulation ist dabei keine Rekonstruktion, sondern ein Verschieben, ein erneutes Durchleben aus heutiger Perspektive. Jede Wohnung, jeder Tisch, jedes Fenster bekommt eine neue Bedeutung – abhängig davon, wer wir heute sind und was wir vergessen haben.”
Zu ‚Nest’ als Raum und als künstlerischem Konzept denken die Schwestern so: „Dieses Motiv [des Nestes] zieht sich wie ein roter Faden durch unsere künstlerische Praxis und steht für eine Existenz im Dazwischen – zwischen Ankunft und Aufbruch, Vertrautem und Fremdem. Wie Zugvögel errichten wir im Vorübergehen Nester – provisorische Gefüge aus Erinnerungen, Stimmen, Gegenständen und Blicken. Diese Nester sind keine festen Orte, sondern bewohnte Übergänge: temporäre Verortungen im Zwischenraum, die Spuren von Migration, Übersetzung und Neubeginn in sich tragen. Für eine gewisse Zeit werden sie bewohnt – als fragile Formen der Nähe im Dazwischen – und schließlich vielleicht wieder verlassen. […] Weiterzuziehen bedeutet daher nicht nur Abschied, sondern auch die Mitnahme von Erfahrungen, Bindungen und Spuren, die jedes neue Zuhause mitprägen.”
Mit diesen drei Kurzfilmen – die jeweils unterschiedliche Themen behandeln – möchte ich die Vielschichtigkeit und Fluidität dessen sichtbar machen, was „queer“ sein kann. „Queer“ ist keine festgelegte Definition; es kann ein Diskurs, eine Theorie, ein Gedicht oder eine Erzählung sein. Es handelt sich dabei nicht um eine sentimentale Darstellung, sondern um eine Artikulation der Komplexität, die der Queerness innewohnt.
Die drei Videoarbeiten sind:
Filmstill, Intervention am Esstisch